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Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28
Einleitung

Einleitung

Entstehung

Nach dem Muster seiner in rascher Folge entstandenen Tondichtungen Macbeth, Don Juan und Tod und Verklärung wollte Richard Strauss auch seine musikdramatische Karriere starten: Der ersten Oper sollte möglichst bald eine zweite folgen. Noch während der Arbeit an Guntram suchte er intensiv nach einem Stoff, Favoriten waren deutsche oder germanische historische Dramen.1 Im Sommer 1893 – Strauss schrieb an der Guntram-Partitur – schickte er seinen Freund Friedrich Rösch in die Münchner Staatsbibliothek, um entsprechende Literatur auszuleihen,2 und er korrespondierte mit dem Schriftsteller Felix Dahn, der ihm Fragen zu altgermanischen Stoffen beantwortete.3 Zum Ziel führte das alles nicht,4 auch Anregungen von anderer Seite halfen nicht weiter.5 Strauss nutzte die freie Zeit, um sich nach neuen Stellungen umzuschauen – sein Weimarer Posten ödete ihn mehr und mehr an6 – und um die Beziehung zu seiner Schülerin, der Sängerin Pauline de Ahna, zu intensivieren.7 Zudem beschäftigte ihn Ende 1893 die Uraufführung von Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel. Als das Stück am 23. Dezember 1893 unter Strauss’ Leitung in Weimar über die Bühne ging, arbeitete er an einem neuen Opernplan nicht aus der Welt des Märchens, sondern des Schwanks: Till Eulenspiegel bei den Schildbürgern. Das Projekt beschäftigte ihn längere Zeit;8 der Entwurf zu einem Akt sowie weitere Notizen haben sich erhalten.9 Auch gab es einige musikalische Ideen, die sich auf Frühling 1894 datieren lassen.10

Woher Strauss die Anregung zur Beschäftigung gerade mit dem Eulenspiegel-Stoff erhielt, ist nicht bekannt. Vermutet wurden neben Humperdincks Oper11 die Komödie in einem Akt Eulenspiegel von Cyrill Kistler, die Strauss im April 1889 in Würzburg hörte12, deren Stoff aber mit Strauss’ Projekt keinerlei Ähnlichkeiten hat, außerdem Cosima Wagners Hinweis auf »ein sehr schönes Gedicht aus Wilhelm Hertz’ Spielmannsbuch ›Der Tänzer unserer lieben Frau‹« als »schöner Vorwurf zu einer sinfonischen Dichtung«13 sowie eine Lektüreliste der Wagner-Witwe vom 12. Juni 1891, die u. a. »Simrock, Volksbücher« enthielt.14 Wilhelm Klatte verwies auf die Figur eines Narren in Guntram, die bereits »eine starke humoristische Ader« des Komponisten habe erkennen lassen.15 Aber auch Strauss’ Nietzsche-Lektüre wurde ins Gespräch gebracht: ein Hinweis, dem unten noch genauer nachgegangen wird.16

Wie alle musikdramatischen Projekte, die Strauss während und nach Guntram in Angriff nahm, scheiterte auch der Plan einer Eulenspiegel-Oper, obgleich Arthur Seidl den ersten Akt als »außerordentlich lebendig in seiner dramatischen Aktion«, gar als »fesselnd« gelobt hatte.17 Strauss selbst bekannte in einem Brief vom Anfang Februar 1894, Eulenspiegel sei »als dramatische Figur zu seicht«, auch mache ihre »Vertiefung […] nach der Seite der Menschenverachtung hin […] große Schwierigkeiten«.18 Wohl nicht zu Unrecht vermutete Willi Schuh, Strauss’ »dichterisches Vermögen« habe für die Gestaltung dessen, was ihm dramatisch vorschwebte, nicht ausgereicht.19 Vor allem aber gab ihm der unerwartete Misserfolg von Guntram zu denken. Die Oper, auf die er so viele Hoffnungen gesetzt hatte und die seine musikdramatische Karriere glanzvoll einleiten sollte, wurde nach der Weimarer Premiere am 10. Mai 1894 dort nur noch viermal gegeben20 und verschwand anschließend einstweilen von der Bühne: ein empfindlicher Rückschlag für den ehrgeizigen jungen Musiker.21 Strauss hat sich später erinnert, nach diesem Misserfolg habe ihm »für die nächsten 6 Jahre der Mut[,] fürs Theater zu schreiben«,22 gefehlt. Jedenfalls stellte er seine Opernpläne erst einmal zurück und begann stattdessen die Komposition einer neuen Tondichtung. Diese Gattung, mit der er nach Tod und Verklärung eigentlich abgeschlossen hatte, versprach genau den Erfolg, der bei Guntram ausgeblieben war. Sein eigentliches Ziel, das Musiktheater, verlor Strauss dennoch keineswegs aus dem Auge. Im Frühjahr 1894 erwog er eine Vertonung der Gesänge aus Goethes Lila, plante also keine Oper, wohl aber ein Singspiel – mit dem Text eines Dichters, der über jeden Zweifel erhaben war.23

Über seine Gründe, für die neue Tondichtung noch einmal den Eulenspiegel-Stoff zu verwenden,24 wissen wir nichts, auch nicht, wann die endgültige Entscheidung gegen das Opernprojekt und für das Orchesterstück fiel. Dessen Entstehungsgeschichte liegt deshalb weitgehend im Dunkeln. Einem Brief an Ernst von Schuch zufolge dachte Strauss noch im Sommer 1894 »gar nicht daran […], eine sinfonische Dichtung« mit Till Eulenspiegel als Inhalt zu schreiben.25 Max Schillings’ Formulierung: »Eulenspiegel-Protheus«26 von Anfang 1895 hingegen könnte auf die Tondichtung anspielen; Schillings wäre dann einer der wenigen gewesen, die von dem Projekt wussten. Nicht dazu gehörten Gustav Mahler und Arthur Seidl. Beide wähnten, als sie von der Vollendung der Tondichtung hörten, Strauss noch immer bei der Arbeit an einer Eulenspiegel-Oper.27 Das einzige einigermaßen sichere Dokument aus der Entstehungszeit der Tondichtung ist eine Notiz vom 21./22. April 1895 im Schreibkalender: »Zu Hause (Eulenspiegel)«.28 Eintragungen in den erhaltenen Skizzen erlauben eine zumindest vage zeitliche Bestimmung des Beginns der Arbeit: Paulines Bemerkung »entsetzliches Componieren« auf der ersten Seite der Skizzen (vgl. die Abbildung im Abschnitt »Faksimiles«) kommentierte Strauss mit »Anmerkungen der Frau Gemahlin!«29 – mithin nach der Hochzeit am 10. September 1894.

Möglicherweise hat Strauss tatsächlich erst zu diesem Zeitpunkt mit der Tondichtung begonnen. Jedenfalls ging ihm die Arbeit – vielleicht auch wegen der längeren Beschäftigung mit dem Sujet – recht zügig von der Hand. Das verrät ebenfalls die Vorderseite des 1. Skizzenblattes, auf der Strauss auf den ersten vier Akkoladen den Beginn des Stückes bis T. 45 entworfen hat. Bemerkenswert ist nicht nur die offenbar ohne jede Stockung (von einer rhythmischen Revision der Takte 5–8 in der 1. Akkolade abgesehen) fließende Arbeit und der Beginn noch ohne die erst später hinzugekommene langsame Einleitung.30 Strauss hat darüber hinaus, wie seine Instrumentationsnotizen am oberen Rand und zwischen der 2. und 3. Akkolade sowie seine Taktzählungen zeigen, diese Skizze, ohne sie weiter auszuarbeiten und ohne noch ein separates Particell anfertigen zu müssen, für das Schreiben der Partitur eingerichtet.31 Rascher ging es nicht.

Vollendet hat Strauss die Eulenspiegel-Partitur in München am 6. Mai 1895. Einen Monat später hatte sich das Ereignis verbreitet: Am 8. Juni beglückwünschte Mahler Strauss zum neuen Werk,32 und einen Tag später meldete Strauss Franz Wüllner nach Köln, er habe eine neue sinfonische Dichtung fertig.33 Mitte und Ende Juni zeigte auch die Fachpresse die Geburt der neuen Tondichtung an. Beachtung verdient vor allem die Meldung der Neuen Musik-Zeitung. Hier heißt es: »Richard Strauss hat soeben die Partitur seiner neuesten symphonischen Dichtung: ›Till Eulenspiegel‹ vollendet. Ursprünglich als komische Oper gedacht, hat der Komponist jetzt die Schelmenstücke, Liebesepisoden und Katastrophen dieser komischen Volksfigur symphonisch behandelt.«34 Das waren nichts weniger als die ersten Hinweise auf das Programm des Stückes.

Drucklegung und Uraufführung

Mochte Strauss’ Selbstsicherheit als Opernkomponist durch das Guntram-Fiasko einen Dämpfer erhalten haben, bei der neuen Tondichtung und ihrem Weg in die Öffentlichkeit war er sich seiner Sache so sicher wie nie zuvor.35 Noch Tod und Verklärung musste mehr als ein Jahr auf den Druck warten – wofür die Skrupel des Komponisten und die Vorsicht des Verlegers gleichermaßen verantwortlich waren. Jetzt, fünfeinhalb Jahre später, verstrichen bis zum Druckbeginn von Till Eulenspiegel nur wenige Wochen. Aufführungen aus dem Manuskript, um die Verständlichkeit des Stückes zu erproben, waren nicht mehr nötig, ebenso Ratschläge ehemaliger Autoritäten.36

Vermutlich schon bald nach Abschluss der Partitur verständigte Strauss sich mit seinem Verlegerfreund Eugen Spitzweg über die Aufnahme der neuen Tondichtung in dessen Aibl-Verlag; auch das Honorar wurde geregelt.37 Spitzweg scheint nicht gezögert oder die großen Schwierigkeiten des Stückes beklagt zu haben; vermutlich beruhigte ihn nach der Fehlinvestition in die umfangreiche Guntram-Partitur schon die Kürze des neuen Stückes. Bereits am 19. Juni ging das Material zur Herstellung an den Verlag.38 Die wenigen Dokumente, die zu Stich und Druck überliefert sind, betreffen vor allem den Titel. Nicht auszuschließen ist, dass er ursprünglich nur »Till Eulenspiegel« lauten sollte. Dafür sprechen die Vorderseite des 1. Skizzenblattes39 sowie die Anzeigen in der Fachpresse.40 Das Partiturautograph zeigt allerdings den vollständigen Titel. Im Juli 1895 wünschte sich Strauss von Spitzweg auf der Titelseite der gedruckten Partitur die Worte »Till Eulenspiegels« als Haupttitel »sehr groß und allein« zu setzen und darunter »lustige Streiche«.41 Im Freundeskreis des Komponisten war die Formulierung von den »lustigen Streichen« wohl schon früher bekannt; Arthur Seidl schrieb bereits im Juni 1895 von einem »humoristischen Zusatz« zum Titel, den Max Schillings ihm mitgeteilt habe und worin Strauss’ künstlerische Absichten »gar lustig« sich ankündigten.42

Schwierigkeiten oder Verzögerungen im Herstellungsprozess sowie während der beiden Korrekturphasen im Sommer 189543 gab es offensichtlich nicht. Partitur und Stimmen lagen laut Hofmeisters Musikalisch-literarischem Monatsbericht im Dezember 1895 vor, waren dem Werkverzeichnis von Müller von Asow zufolge allerdings schon im September erschienen.44 Erste Klavierauszüge – dafür war zunächst Strauss’ Freund Ludwig Thuille vorgesehen45 – arrangierten Hermann Ley (Klavier zu vier Händen, angezeigt im Januar 1896) und Otto Singer (zwei Klaviere zu vier Händen, angezeigt im Juni 1896).46

Die Uraufführung hatte Strauss bereits im Juni 1895 Franz Wüllner in Köln angeboten, und auch wenn Felix Weingartner, immerhin Kapellmeister an der Berliner Hofoper, Spitzweg mit dem dringenden Wunsch, das neue Stück aus der Taufe zu heben, unter Druck setzte:47 Strauss hielt an Köln fest. Till Eulenspiegel erklang dort erstmals am 5. November 1895 im 2. Gürzenichkonzert, und zwar unter der Leitung Wüllners,48 nicht des Komponisten:49 erneut ein Indiz dafür, wie gründlich sich die Verhältnisse seit Macbeth, Don Juan und Tod und Verklärung geändert hatten. Strauss leitete sein neues Stück erstmals am 29. November in München50; vorausgegangen waren Aufführungen in Mannheim (12. November, Hoftheater-Orchester, Leitung Hugo Röhr), Berlin (15. November, Königliche Kapelle, Leitung Felix Weingartner51) und Chicago (16. November, Chicago Symphony Orchestra, Leitung Theodore Thomas52). Für die Aufführung am 19. Januar 1896 in Lüttich übersandte Strauss dem Dirigenten Sylvain Dupuis Metronomzahlen (vgl. die Abbildung im Abschnitt »Faksimiles«).53 Sie lauten für den »gemächlichen« Beginn =88 und für das »sehr lebhafte« Tempo (T. 13 ff., 46 ff.) =108. Wie schon bei Tod und Verklärung bieten diese Angaben, die in Strauss’ Partitur fehlen, den einzigen schriftlich fixierten Beleg für seine Tempovorstellungen.54 Sie werden deshalb in die vorliegende Neuausgabe aufgenommen.

Sujet, poetische Idee, Programm

Um die Till Eulenspiegel zugrunde liegende poetische Idee und das für die Öffentlichkeit bestimmte Programm zu verstehen, ist zunächst der Blick auf Strauss’ künstlerische Entwicklung seit Tod und Verklärung zu richten. Anschaulich wird sie im Kontext der Entstehung von Guntram.55 Während der Arbeit am 3. Akt der Oper wurde sich Strauss über Grundsätze seines Komponierens klar, an denen er über die kommenden Jahrzehnte festhielt: eine neuerliche Wende nach seiner um 1885 durch Alexander Ritter veranlassten Konversion von der Brahms-Nachfolge zur Neudeutschen Schule mit den Leitsternen Berlioz, Liszt und Wagner. Arthur Seidl hat in einer Besprechung der Guntram-Premiere diese Wende hellsichtig auf den Punkt gebracht: Mit Strauss und seiner Persönlichkeit, so Seidl, komme in der Wagner-Schule »eine neue, moderne Richtung Nietzsche-Stirner-Mackay-scher Tendenz zum Durchbruch, die nichts weniger und nichts mehr als einen radikalen um nicht zu sagen revolutionären linken Flügel innerhalb der Wagner-Bewegung in Aussicht stellt.«56 Das zielte auf den Schluss von Strauss’ Oper: Guntram, dazu bestimmt, mit seinem Gesang Mitleid und Versöhnung unter den Menschen zu verbreiten, verweigert nach seinem Mord an einem Tyrannen die Buße durch den Bund, dem er entstammt, und dessen Gesetze. Er zerschlägt seine Leier und bestimmt zukünftig sein Leben selbst.

Diese Volte der Handlung hatte, das wusste Seidl, einen autobiographischen Hintergrund. Wie Guntram sich zu einer von fremden Mächten unabhängigen Existenz durchringt, so befreite sich Strauss von seinem Mentor Alexander Ritter und dessen christlich gefärbter Ästhetik, damit zugleich von dem durch Cosima Wagner und Bayreuth bestimmten Wagner-Bild, das die Musik bis zum Übermaß metaphysisch befrachtet hatte. Gott, Religion, Erlösung: Solche Themen spielten fortan für Strauss keine Rolle mehr. Er blieb Wagnerianer, aber, wie Seidl treffend schrieb, er wechselte vom konservativen zum revolutionären Flügel. Auch Normen musikalischen Gestaltens galten nicht mehr absolut. Strauss selbst legte fest, was seine Musik ausdrücken sollte und welche Mittel dafür erforderlich waren. Was die »Philister« davon hielten, die in den Feuilletons den Ton angaben, interessierte ihn wenig.

Hinter Strauss’ Wende stand eine zunehmend kritische Beschäftigung mit der Philosophie Arthur Schopenhauers, außerdem mit Friedrich Nietzsche. Aber auch die Lektüre von Max Stirner (Der Einzige und sein Eigentum) und John Henry Mackay (Die Anarchisten) spielte eine Rolle.57 Immer ging es um das Bekenntnis zu einem selbstbestimmten, uneingeschränkt freien Künstlertum und um die Lösung der Musik von jeglichen christlich-religiösen Konnotationen. Wie sehr Strauss um die neuen Überzeugungen rang, verrät seine Korrespondenz mit Ritter und mit seinem Freund Friedrich Rösch.58 Hilfestellung erfuhr der Komponist vor allem durch Arthur Seidl, den Schriftsteller und Freund seit gemeinsamen Münchner Universitätszeiten. Zusammen mit ihm engagierte sich Strauss in Weimar für Wagner; mit Seidl, dem Nietzsche-Kenner, hat er sich über seine Lektürefrüchte, insbesondere seine Nietzsche-Studien, intensiv ausgetauscht. Wie Strauss wechselte auch Seidl vom rechten zum linken Wagnerflügel, mokierte sich über die neueren »Festspiel- und Erlösungs-Komponisten«59 und hob stattdessen das »moderne Artisten- und Antichristentum Nietzsche’s« auf den Schild.60 Strauss belohnte Seidls Unterstützung mit der Widmung der neuen Tondichtung.

Damit zurück zu Till Eulenspiegel. Das Stück steht am Beginn einer zweiten Gruppe von Tondichtungen, die von der ersten (1887–1889: Macbeth, Don Juan, Tod und Verklärung) nicht nur chronologisch, sondern auch konzeptuell getrennt ist. Strauss’ ästhetische Wende hat in Till Eulenspiegel und den Tondichtungen, die bald folgen sollten (Also sprach Zarathustra, Don Quixote, Ein Heldenleben, Symphonia domestica) ihre unüberhörbaren Spuren hinterlassen: mit neuen, mehr oder minder autobiographisch gefärbten Sujets, mit detailreichen Programmen, mit rasch wachsenden Dimensionen und einer zunehmenden musikalischen Komplexität, gepaart mit teils auffälliger tonmalerischer Drastik.61

Schon der Plot der Eulenspiegel-Oper, soweit ihn die erhaltenen Entwürfe verraten, ließ sich unschwer in Strauss’ neue Überzeugungen eingliedern: Der Held, ein einsamer Anarchist, hält den Philistern in Schilda den Spiegel vor und entlarvt ihr Tun als nutzlosen Zeitvertreib, bar jeder Vernunft und jedes Sinns für künstlerisches Schöpfertum. Mochte ein solches Sujet schwierig auf die Bühne zu bringen sein, für eine Tondichtung war es allemal attraktiv: Es bot einen starken Kontrast (Till vs. Philister) sowie Möglichkeiten für ein Spiel mit musikalischen Gestaltungsnormen. Kein Wunder, dass Strauss diese poetische Idee nicht verwarf, sondern behielt, und zwar nicht nur bei der Tondichtung Till Eulenspiegel, sondern – in den Varianten Kunst vs. Natur oder Held vs. Welt – auch noch bei deren Nachfolgern. Reizvoll war ein solches Sujet auch wegen seiner autobiographischen Konnotation. In Eulenspiegel sah Strauss sich selbst in der Rolle des Schelms, der einem in ästhetischen Konventionen erstarrten Publikum »lustige Streiche« spielte. Seine Widmung an Seidl jedenfalls unterzeichnete er mit »Richard Strauss, der Schalk«,62 und bei der Konstellation Till vs. Schilda dürfte ihm Weimar, das »traurige Nest«, das ihn geradewegs ins »Philisterium« führte,63 als abschreckendes Beispiel vor Augen gestanden haben.

Wie ein Blick in die Skizzen verrät,64 konzentrierte sich Strauss bei der Komposition von Till Eulenspiegel zunächst auf den Konflikt Till (T. 6 ff.) vs. Philister (T. 293 ff.), reicherte ihn dann aber durch weitere kontrastierende Abschnitte an. Genau darin, in der Vielfalt der einzelnen Teile, lag für ihn die Pointe des Stückes, und sie erklärt auch dessen originellen Titel. Nicht »Till Eulenspiegel« allein, sondern dessen »lustige Streiche« standen im Zentrum: eben die »Schelmenstücke, Liebesepisoden und Katastrophen«, die die Neue Musik-Zeitung angekündigt hatte.65 Kein Zweifel: Ein solcher Titel sollte das Sujet präzisieren, es mit konkreten Szenen aufladen und auch die Spannung steigern. Nichts anderes galt für den augenzwinkernden Verweis auf die »alte Schelmenweise« und die »Rondeauform« für das »große Orchester«: So etwas hatte es bei einer symphonischen Dichtung – immerhin der modernsten Gattung großer Orchestermusik – noch nicht gegeben. Einen zusätzlichen dichterischen Text zur poetischen Umschreibung des Sujets, wie noch bei Don Juan und Tod und Verklärung, hielt Strauss nunmehr für überflüssig.66

Wie kaum anders zu erwarten weckte der Titel allgemein die Neugier, welche Streiche denn hier gespielt wurden. Als sich Franz Wüllner vor der Kölner Uraufführung bei Strauss erkundigte, reagierte dieser ausweichend: Es genüge, dem Publikum die beiden Eulenspiegel-Themen anzugeben. Immerhin erhielt Wüllner zusätzliche »Privatmitteilungen«, die er gleichwohl auf dem Konzertzettel der Premiere öffentlich machte.67 Damit war das Programm, das die Neue Musik-Zeitung umrissen hatte, bereits in wesentlichen Details festgelegt, bald darauf wurde es weiter präzisiert (dazu mehr weiter unten). Wesentliche Elemente sind Prolog und Epilog (»Es war einmal«), die Vorstellung des Titelhelden, der Ritt durch die Marktweiber, die Pastorenszene, eine Liebesszene, der Disput mit den philisterhaften Professoren, ein Gassenhauer sowie zuletzt die Gerichtsszene mit Verurteilung und Tod durch Erhängen.

Mit diesen Inhalten ist zwar ein großer Teil der Musik erfasst, aber keineswegs die ganze Partitur. Längere Abschnitte vor allem der zweiten Hälfte (etwa T. 386–577) entziehen sich einer außermusikalischen Deutung. Wie bei den früheren Tondichtungen gab es auch bei Till Eulenspiegel kein schon vor der Komposition existierendes, sie von Anfang bis Ende leitendes Programm. Zudem überliefert keines der Volksbücher die programmatischen Stationen in der hier vorhandenen Reihenfolge.68 Und bei Karl Simrock, auf den sich Strauss stützte,69 fehlen gleich zwei Episoden: Es gibt weder einen Ritt durch die Marktweiber noch eine Gerichtsverhandlung mit Todesurteil durch Erhängen.70 Zu letzterer Episode hat sich Strauss vielleicht durch die »Marche au supplice« aus Berlioz’ Sinfonie fantastique anregen lassen; die erste, die aus Grimms Märchen vom König Drosselbart stammt, verdankt ihre Existenz vermutlich ihrer Kontrastfunktion im musikalischen Verlauf. Simrocks Volksbuch ist also nur eine von verschiedenen Anregungen, die Strauss’ Komponieren geleitet haben. Dazu gehört auch seine Nietzsche-Lektüre; sie hat sich nicht erst in Also sprach Zarathustra, sondern bereits in Till Eulenspiegel niedergeschlagen. Wilhelm Mauke beschrieb, mit Zustimmung des Komponisten, in seinem thematischen Leitfaden die Hauptfigur als »koboldartig verzerrten Übermenschen«,71 Charles Youmans bezeichnete Till und Zarathustra sogar als »Alter Egos«. 72 Und wohl kaum zufällig kehren die Themen der zentralen programmatischen Stationen in Eulenspiegel – Religion, Liebe, Wissenschaft – in derselben Reihenfolge in der folgenden Tondichtung wieder, hier in den Abschnitten »Von den Hinterweltlern«, »Von den Freuden- und Leidenschaften« und »Von der Wissenschaft«.73

Auch nach dem Abschluss von Till Eulenspiegel besaß der Stoff für Strauss eine hohe Attraktivität. 1896/97 plante er erneut eine Schildbürger-Oper, diesmal mit einem Libretto von Ferdinand von Sporck; noch am 15. Juli 1897 war er »felsensicher«, diesen Stoff zu bearbeiten.74 Gelungen ist ihm die Dramatisierung der Konstellation Held/Künstler vs. Philister jedoch erst einige Jahre später in seiner Oper Feuersnot, angesiedelt freilich nicht mehr in Schilda, sondern in München zu »fabelhafter Unzeit«.

Musik

In Till Eulenspiegel hat Strauss erstmals nicht nur ein außermusikalisches Sujet, sondern zusätzlich die Form zum Thema gemacht. Auch wenn er sie im Titel verrätselte – »Rondeau« anstelle des vertrauten Rondo – und eine Behandlung nach »alter Schelmenweise«, mithin sicher nicht nach den Regeln der überkommenen Formenlehre, ankündigte: Die Form des Stückes, die Disposition der »lustigen Streiche« in Verbindung mit der Figur des Titelhelden, all dies spielt für das Verständnis der Musik eine wichtige Rolle und steht zu Recht bis heute im Mittelpunkt.75 Dabei gerät das Provokative des Titels leicht aus dem Blick. In einer Tondichtung, die Liszt zufolge das Erbe der Symphonie und damit der orchestralen Hauptgattung angetreten hatte, war die derart herausgekehrte Rondoform ungewöhnlich. Mit einem Rondo endeten gerne Instrumentalkonzerte, während in der Symphonie – im Kopfsatz wie im Finale – in aller Regel die Sonatenform dominierte.76

Der rasche 3er-Takt, der Till Eulenspiegel über weite Strecken prägt, assoziierte darüber hinaus ein Scherzo,77 und damit eine Gattung, in der die Komponisten seit Haydn mit musikalischen Normen spielten.78 Mit der Rondoform hatte ein Scherzo allerdings nichts zu tun; auch die Musik von Till Eulenspiegel verläuft nicht in der geordneten Abfolge von Scherzo und Trio. Wohl aber spielt, ja experimentiert Strauss gewissermaßen im Geist des Scherzos mit tradierten Formelementen und ihren Positionen. Gleichzeitig dient der Verweis auf das Rondo, so ironisch der Titel auch daherkommt, als Beruhigung des Publikums. Es konnte die »lustigen Streiche« mit wechselnden Couplets und den immer gleichen Helden mit einem Ritornell in Verbindung bringen – auch wenn die Musik tatsächlich ganz andere Wege geht.

Ungeachtet allen Spiels zog Strauss doch auch formale Stützen ein. Dazu gehören zum einen der Rahmen mit einer kurzen langsamen Einleitung, die am Ende in einem längeren Epilog erneut aufgegriffen wird, und zum anderen Exposition und Reprise des Hornthemas: Es erklingt erstmals in T. 6 ff. und kehrt in T. 429 ff. wieder. Diese Reprise bringt zusätzlich zu Rondo und Scherzo die Sonatenform ins Spiel; sie ist markant genug, um das Stück in zwei ungleiche Teile zu gliedern (1–428, 429–657). Im ersten folgen – allerdings erst ab T. 133 – die programmatischen Szenen dicht aufeinander, im zweiten hingegen fehlen sie; erst mit der Gerichtsszene wird das Programm weitererzählt. Ihr voraus gehen Durchführungen der beiden zentralen Eulenspiegel-Themen, einige Reprisen- oder Ritornellelemente sind eingestreut. Von einem schulmäßigen Rondo ist das alles ebenso weit entfernt wie von einer schulmäßigen Sonate; die wechselnden Gestalten der beiden zentralen Themen erinnern zudem an Variationen und damit an eine Form, die ebenfalls zum Programm – wechselnde Streiche des immer gleichen Helden – passen würde.

Weil Strauss keineswegs vorhatte, ein Rondo nach dem Lehrbuchschema zu schreiben, gibt es in Till Eulenspiegel auch kein klar abgegrenztes, mehrfach wiederholtes Ritornell in der Haupttonart. Die Zäsur in T. 111 ff. bringt zwar eine deutliche Kadenz in F-Dur, beschließt aber einen vielgestaltigen Formteil, der wegen seiner Länge eher an eine Sonatenexposition erinnern könnte, fehlte ihm nicht der dafür nötige thematische Kontrast. Die beiden Eulenspiegel-Themen sind zu sehr miteinander verwoben, als dass sie für diesen Kontrast einstehen könnten. Dafür bieten die folgenden Abschnitte reichlich Gegensätze (auch wenn die beiden Hauptthemen hier keineswegs verstummen): die Marktszene durch ihren aus dem Nichts entstehenden und ins Nichts verschwindenden Lärm, die Pastorenszene durch ein volksliedartiges Thema mit neuer Tonart (B-Dur), neuer Taktart und langsamem Tempo, die Liebesszene mit einer Variante des Hornthemas und dem am Ende gesteigerten, augmentierten Klarinettenthema, schließlich die Professorenszene mit wieder einem neuen Thema in a-Moll, intrikater Kontrapunktik und zuletzt einer Konfrontation der Philister mit ihrem Widersacher Till. Nach einer kurzen Polka in As-Dur, dem sogenannten Gassenhauer, kommt die Musik zum Stillstand.

Im Sinne eines Rondos könnte man bis dahin von mehreren Couplets sprechen, hätte diese Terminologie nicht wegen des fehlenden Ritornells ihren Sinn verloren79 – worauf es Strauss sicher auch angelegt hat. Das kantable, ruhige Pastorenthema ähnelt zudem dem Seitensatz einer Sonatenform – auch wenn inhaltlich für diese Funktion eher die Musik der Philister, der Gegenspieler des Helden, in Frage käme. Diese hat Strauss aber ähnlich wie die vorausgehende Liebesszene partiell eher durchführungsartig gestaltet, doch münden diese »Durchführungen« nicht etwa in eine Reprise, sondern ins Nichts bzw. werden abgebrochen. Überdies folgen in der zweiten Hälfte des Stückes, wie erwähnt, noch weitere und erheblich intensivere Durchführungen in Gestalt neuer Steigerungswellen.

Entwickelnde, sich beschleunigende Abschnitte sind über das ganze Stück verteilt, und wie es keine geschlossene Durchführung gibt, so auch keine über längere Strecken stabile Reprise. Gewiss, der Wiedereintritt des Hornthemas ist eine Zäsur, aber diese Reprise bleibt Episode. Strauss blendet sie bald wieder aus, und zwar zugunsten einer neuen Steigerung (T. 449 ff.), die in eine hymnische Variante des Hornthemas (T. 485 ff.) mündet: wie ein Sieg nach vorausgegangenem Kampf, im Gestus einer Reprise weniger als Wiederholung denn als triumphale Überhöhung.80 Der Sieg ist jedoch von nur kurzer Dauer, er macht in T. 516 ff. einer finalen Steigerung Platz, deren Übermut durch die Gerichtsszene abrupt beendet wird. So frei Strauss mit den tradierten Kategorien von Rondo und Sonate umgeht, so zuverlässig entfesselt er sein Orchester immer wieder zu großen dynamischen Aufschwüngen. Sie sind gewissermaßen die modernen »Ritornelle«, denen Ruhepunkte als »Couplets« gegenüberstehen.81

Viel später hat Strauss auf das Vorbild Beethovens für die Konzeption von Till Eulenspiegel verwiesen: Im Finale von dessen 8. Symphonie sei die Rondoform durch einen »tragikomischen« Karnevalszug erweitert worden.82 Auch wenn Beethovens Stück seit jeher als Vorbild für musikalischen Humor galt:83 Konkrete Verbindungen zu Till Eulenspiegel sind (über die gemeinsame Tonart F-Dur hinaus) bislang nicht gefunden worden; ob Strauss’ Stück als »erweiterte« Rondoform zu verstehen ist, bleibt offen.

Anders als Anklänge an Beethoven haben solche an Richard Wagner in der letzten Zeit das Interesse der Forschung gefunden. Im Fokus stehen dabei nicht die Meistersinger von Nürnberg – immerhin hatte Wagner mit der Konstellation Stolzing vs. Beckmesser gewissermaßen schon diejenige von Till vs. Philister vorweggenommen –, sondern Tristan und Isolde sowie Siegfried bzw. das Siegfried-Idyll.84 Über die Triftigkeit der jeweils herausgearbeiteten Beziehungen – erwähnt seien nur der Eulenspiegel-Akkord (erstmals T. 47 f.) als Parodie des Tristan-Akkords sowie das Zitat eines zentralen Motivs des Siegfried-Idylls (dort erstmals T. 150 f.) im Epilog (T. 637) von Eulenspiegel – sind die Meinungen geteilt,85 ebenfalls über die möglichen Absichten, die Strauss zu solchen Allusionen veranlasst haben könnten. Reaktionen der Zeitgenossen fehlen,86 offensichtlich wurden die Anspielungen, wenn sie als solche intendiert gewesen sein sollten, gar nicht bemerkt. Gleichwohl scheint es denkbar, Strauss habe in Till Eulenspiegel eine musikalische Ironie realisiert, die selbst das verehrte Vorbild Wagner nicht aussparte.

Rezeption

»Man hört es oft von Laien und Musikern, daß Richard Strauß ihre Sympathie zuerst durch den Till Eulenspiegel gewonnen habe. Vor dieser köstlich witzigen Orchesterhumoreske verstummte zuerst der Widerspruch der Gegner, hier fand zuerst ein Ausgleich der Meinungen statt, und wenn man von einer Popularität Straußischer Symphoniemusik reden kann, so beginnt sie bei diesem Schelmenspiel.«87 Richard Batka, der mit solchen Worten die ersten 15 Jahre von Till Eulenspiegel resümierte, traf die Sache auf den Punkt: Der »geniale Wurf«88 erwies sich seit seiner Uraufführung als Strauss’ bislang attraktivstes Orchesterstück. Schon bis Ende 1898, also innerhalb der ersten drei Jahre, war das Werk nicht weniger als 72mal aufgeführt worden, vor allem in Europa, aber erstaunlich häufig auch in den USA. Noch Don Juan benötigte für eine solche Aufführungszahl zehn Jahre.89

Die Gründe für die rasche Popularität waren vielfältig. Eine wichtige Rolle spielte das »Lustige«, wie es schon der Titel verspricht. Kaum eine Rezension, deren Autoren nicht Begriffe wie Humor – häufig wurde das Stück direkt als »Humoreske« bezeichnet –, Scherz, Heiterkeit, Witz, aber auch Spott, Sarkasmus und Ironie verwendeten. Man lobte die Erweiterung des Ausdrucksgebietes der Musik90 als Bereicherung des Repertoires; Strauss habe den »bedrückenden Ernst« und die »pathetische Überschwenglichkeit«91 seiner bisherigen Programmmusiken hinter sich gelassen. Zum Eindruck der Leichtigkeit, des Unbeschwerten hinzu trat der des zumindest partiell Volkstümlichen. Rezensenten registrierten einen »gesunden, echt volkstümlichen Kern«,92 manche meinten sogar, zwischen Partien mit »krausem musikalischen Wirrwarr« doch auch »mehr oder minder ausführliche Anklänge an treuherzige Volkslieder oder selbst an einen ehrlichen deutschen Tanz«93 zu hören.

Zu den meist positiv eingeschätzten Zügen des Werkes gehörte die im Titel erwähnte Rondoform.94 Schon nach der Kölner Premiere war zu lesen, das neue Stück sei »wohl das Beste« bisher aus Strauss’ Feder, weil es »nach einer festen musikalischen Form« aufgebaut sei.95 Auch wenn der Komponist, wie manche Autoren betonten, die Rondoform mehr oder weniger frei behandelt habe, sorge sie für eine »organische Einheit«96 und gebe »dem Hörer einen festen Halt«.97 Die Gestaltung der Form taugte auch als Argument gegenüber denjenigen Kritikern der Programmmusik, die wie Hanslick nur eine »maß- und meisterlose Bilderjagd« vor sich sahen, der jede »gestaltende Kraft« fehle.98 Gerade die Rondoanlage, so Carl Söhle in Dresden, befördere ein »rein musikalisches Verständnis.«99

Ungeachtet der verbreiteten Überzeugung, mit dem neuen Stück habe Strauss einen ganz neuen Ton angeschlagen und – mit den Worten eines Münchner Kritikers – sich »zu einer Selbständigkeit durchgerungen, die wir mit großer Freude begrüßen«,100 wiesen viele Autoren auch auf Vorbilder hin, die nicht zu überhören seien. Im Zentrum standen – abgesehen von den humorvollen Rondosätzen der Klassiker, die Otto Lessmann ins Spiel brachte101 – wieder die beiden Protagonisten der neudeutschen sinfonischen Programmmusik, Berlioz und Liszt. Lessmann verortete Till Eulenspiegel auf dem Weg, den Liszt »im dritten Satz der Faustsinfonie in wahrhaft genialer Weise zuerst angelegt hat«.102 Die meisten Kritiker jedoch siedelten Strauss’ Stück eher jenseits von Liszt an103 und fühlten sich angesichts der unerhörten orchestralen Virtuosität – jedes einzelne Instrument werde »vollständig concertmäßig behandelt«104 – vor allem an Berlioz erinnert: Strauss, der »Ueber-Berlioz«105, sei vielleicht weniger genial, aber jedenfalls »talentvoller und raffinirter«106 als sein französischer Vorgänger. Auch die Verwandtschaft zwischen der Gerichtsszene und Berlioz’ »Marche au supplice« in dessen Sinfonie fantastique blieb nicht unbemerkt.107

Eine zentrale Rolle schon für die frühe Rezeption von Till Eulenspiegel spielten das Programm und dessen Veröffentlichungen. Strauss selbst war zunächst unschlüssig, ob und wie über den Titel hinaus programmatische Informationen an das Publikum gelangen sollten. Wüllner erhielt, wie erwähnt, für die Uraufführung nur »Privatmitteilungen«. Aber gegen deren Publikation hatte Strauss offensichtlich nichts einzuwenden. Erst danach wurde er aktiv. Nur drei Tage nach der Uraufführung ließ er von Wilhelm Klatte108 in der Allgemeinen Musik-Zeitung eine mit Notenbeispielen angereicherte Erläuterung des Werkes veröffentlichen109, die, gestützt auf eine von Strauss selbst annotierte Partitur,110 sämtliche relevanten Details enthielt, auch solche, die auf dem Programmzettel der Uraufführung noch gefehlt hatten.

Klattes Text sollte vermutlich alle Wünsche befriedigen, wurde aber offensichtlich nicht überall registriert und erstaunlicherweise selbst vom Komponisten keineswegs für jede folgende Aufführung empfohlen.111 Bei der Münchner Erstaufführung am 29. November 1895 bedauerte man das Fehlen »eines kurz erläuternden Programms«,112 und in Wien – hier erklang das Stück erstmals am 5. Januar 1896 – hieß es gar, Strauss habe ein detailliertes Programm verweigert; dasselbe widerfuhr Dupuis vor der schon erwähnten Lütticher Aufführung am 19. Januar.113 In Dresden hingegen, zur Erstaufführung am 20. Dezember 1895, gab es ein Programm (über das bislang nähere Informationen fehlen).114 Diesem Hin und Her machte ein separater Musikführer aus der Feder von Wilhelm Mauke ein Ende,115 der genau nach Strauss’ Angaben116 angefertigt worden war und vermutlich im Frühjahr 1896 im Druck erschien. Maukes Schrift fungierte fortan als »offizielle« Darstellung des Programms. Sie steuerte die Rezeption der Tondichtung in einem Maße, das es bei Strauss zuvor noch nicht gegeben hatte; viele auch der oben zitierten Inhalte dürften auf Maukes Führer zurückgehen. Mit Till Eulenspiegel jedenfalls beginnt die Verbreitung separater Erläuterungsschriften zu Strauss’ Tondichtungen: eine Praxis, die den Komponisten zwar wohl nie völlig befriedigt hat,117 an der sich aber in den folgenden Jahren nichts mehr ändern sollte.118

Die autographen Partituren von 1944/45

Am Ende des 2. Weltkriegs, in einer Zeit tiefer Depression angesichts der Zerstörung aller Kultur und damit seines eigenen Lebenswerkes, einer Zeit der Unsicherheit, ob neue Kompositionen noch gelingen würden (die Arbeit an den Metamorphosen war ins Stocken geraten), einer Zeit aber auch voller Angst und Sorge über die Zukunft seiner Familie, entschloss sich der 80jährige Strauss, die Partituren seiner drei erfolgreichsten Tondichtungen –Till Eulenspiegel, Don Juan, Tod und Verklärung – noch einmal abzuschreiben, um seinen Enkeln ein »wertvolles Weihnachtsgeschenk«119 zu machen. Er begann mit Eulenspiegel,120 auf dem unteren Rand der 1. Partiturseite notierte er: »1. Oktober 1944 Dem braven Till zum 50. Geburtstag! | Eigenhändige Abschrift für meine lieben Kinder und Enkel.« Die Kopie erfüllte jedoch noch einen anderen Zweck. Über ihn informiert ein Vermerk in Strauss’ Handexemplar der gedruckten Partitur von 1895,121 die als Vorlage für die Abschrift diente und in der sich im Laufe der Jahre zahlreiche Korrekturen angesammelt hatten. In dieses Exemplar trug der Komponist gleich zweimal (in leicht differierenden Versionen) folgenden Hinweis ein: »Diese Partitur ist (für eine Gesammtausgabe meiner Werke) bei meiner zweiten Reinschrift (Oktober 1944) von mir revidiert.«122 Zwar ist die Formulierung »bei meiner zweiten Reinschrift« nicht ganz eindeutig: Wurde das Handexemplar während des Kopierprozesses revidiert? Ist die Kopie als Resultat der Revision und damit quasi als »Fassung letzter Hand« zu betrachten? Aber man kann wohl annehmen, dass nach Strauss’ Wunsch das Handexemplar zusammen mit der Abschrift für einen Neudruck im Rahmen einer Gesamtausgabe123 herangezogen werden sollte.

Als sich im Verlauf des Jahres 1945 abzeichnete, dass Strauss zu einem schon länger geplanten Aufenthalt mit seiner Frau in die Schweiz übersiedeln würde, hat er die Eulenspiegel-Partitur erneut abgeschrieben;124 am 18. August 1945 war die Arbeit beendet. Diese neue Kopie sollte zusammen mit weiteren autographen Partituren als Verkaufsobjekt dienen; Strauss hoffte, auf diese Weise seinen Aufenthalt finanzieren zu können.125 Tatsächlich wurde die Partitur verkauft, allerdings erst im Herbst 1948 und nicht in die Schweiz, sondern in die USA. Seit 1974 befindet sie sich im Besitz der Münchner Stadtbibliothek.126 Die Kopie von 1944 verblieb hingegen stets in der Familie.

Wie das korrigierte Handexemplar sind beide Spätabschriften für die hier vorliegende kritische Neuedition des Werkes von großem Interesse. Ohne den Ausführungen im Kritischen Bericht vorgreifen zu wollen, sollen im Folgenden nur einige wenige Bemerkungen zum Verhältnis der Quellen folgen. Die erste Kopie enthält abweichend vom Handexemplar Änderungen vor allem der Besetzung am Schluss des Werkes, allerdings auch manche Schreibfehler. Die zweite Kopie stimmt erstaunlicherweise nicht vollständig mit der ersten überein, mehr noch aber als diese mit dem Handexemplar, von dem sie, wie die erste, abgeschrieben wurde. Auch sie enthält Schreibfehler. Einige Beispiele für Abweichungen oder Übereinstimmungen: Im Handexemplar versah Strauss in T. 179 ff. das »Pastorenthema« in den Bratschen mit einer wohl programmatisch zu verstehenden Bemerkung »Mit langem steifem Bogenstrich!«, die in beiden späten Kopien fehlt. Der Hinweis »grinsend« für das Oboenmotiv in T. 403 findet sich im Handexemplar und 1945, nicht aber 1944. Wieder anders der Hinweis »(demütig)« zum Klarinettenmotiv in T. 590: Er begegnet nur 1944, nicht aber im Handexemplar und auch nicht 1945. Allein in beiden Spätabschriften gibt es für die ersten Noten der absteigenden Klarinettenpassagen in T. 376–379 Verzierungen: 1945 Schleifer zwischen erster und zweiter Note,127 1944 Triller auf der ersten Note, die Strauss in der Partitur mit: »(Die Schnörkel sind eine witzige Improvisation der Clarinetten meiner lieben Berliner Staatskapelle!)« kommentierte. Eindeutig sind die Verhältnisse also nicht. Einigermaßen sicher lässt sich nur sagen, dass weder das Handexemplar noch eine der späten Abschriften eine »Fassung letzter Hand« wiedergeben.

Besonderes Interesse verdient die Abschrift von 1944 wegen ihrer Besetzungs- und Instrumentationsänderungen am Schluss des Werkes. Denn hier – und nur hier – hat Strauss auf die in der Fassung von 1895 (wenn auch »ad libitum«128) verlangte Verdoppelung der vier Hörner und drei Trompeten in den Takten 567–657 verzichtet. In T. 567–573 strich er die zusätzlichen Trompeten sowie den schmetternden Rhythmus in den Hörnern 7 und 8; die Partien von Horn 5 und 6 werden von Horn 3 und 4 übernommen. In der Gerichtsszene entfällt der »drohende« leere Quintklang in T. 577 ff. in den tiefen Holzbläsern (nur das Kontrafagott hält an seinem KontraF fest), stattdessen spielen Bassklarinette und drei Fagotte das kurz darauf einsetzende gehaltene as/As, für das die Hörner 5–8 vorgesehen waren. Der Akkord der Trompeten 4–6 in T. 604 fällt ersatzlos fort. In den letzten Allegro-Takten (T. 653–657) konnte Strauss leicht auf die nur der Verstärkung dienenden Hörner 5–8 verzichten; die sechs Trompeten zog er zu einem dreistimmigen Satz zusammen.

Die Abschrift von 1944 bietet also für den Schlussabschnitt von Till Eulenspiegel eine autorisierte Alternativversion mit nur vier Hörnern und drei Trompeten, die neben der Fassung von 1895 problemlos bestehen kann und deshalb auch dieser Neuedition als Aufführungsalternative hinzugefügt wurde. Ob sie die ursprüngliche Fassung ersetzen sollte, bleibt allerdings unklar, denn in der Kopie von 1945 kehrte Strauss wieder zur Verdoppelung von Hörnern und Trompeten zurück: Im Vorsatz der entsprechenden Partiturseiten129 notierte er »ad libitum« und am Beginn der Verstärkung, in T. 567, schrieb er sogar: »von hier ab Hörner verdoppeln und Trompeten!« – als handele es sich um eine verbindliche Vorschrift. So penibel Strauss sonst seine Partituren schrieb, hier, am Schluss von Till Eulenspiegel, lässt er seinen Interpreten die Wahl.


Walter Werbeck


Allen im Kritischen Bericht genannten Archiven und Bibliotheken sei für die Bereitstellung des für die Edition herangezogenen Quellenmaterials gedankt. Weiterer Dank gilt der Familie Strauss, außerdem Frank Below, Rüdiger Bornhöft, Gerhard Dill, Veronika Giglberger, Thomas Herbst, Thekla Kluttig, Gregor Raquet, Stefan Reuter, Dominik Šedivý, Reinhold Schlötterer † und Roswitha Schlötterer-Traimer †.


Stefan Schenk

 1

Vgl. Willi Schuh: Richard Strauss. Jugend und frühe Meisterjahre. Lebenschronik 1864–1898, Zürich/Freiburg 1976, S. 312–315: »Das Erhabene Leid der Könige«, S. 320–328: »Der Reichstag zu Mainz«.

 2

Am 18. Juli 1893 etwa schrieb Rösch seinem Freund (D-GPrsa, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d38023): »Gestern u. heute war ich zweimal auf der Staatsbibliothek, um Dir für Deine urgermanischen Gelüste nach Kräften Befriedigung zu verschaffen.« Rösch selbst war allerdings der Überzeugung, »daß alles Historische untauglich für (heroisch-tragische) Musik« sei (Brief an Strauss vom 20. August 1893; D-GPrsa, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d38024), und wie es scheint, hat sich Strauss letztlich dieser Meinung angeschlossen.

 3

Vgl. Dahns Brief an Strauss vom 19. Oktober 1893 in: Der Strom der Töne trug mich fort. Die Welt um Richard Strauss in Briefen, hrsg. von Franz Grasberger in Zusammenarbeit mit Alice und Franz Strauss, Tutzing 1967, S. 82 f., weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d03116.

 4

Wilhelm Klatte: Aus Richard Strauss’ Werkstatt, in: Die Musik 16 (1923/24), S. 636–641, hier S. 637, erinnerte sich an eine »begonnene«, aber nie vollendete Tondichtung von Ende 1893: »Ein Überschwengliches, Schwelgendes, aus Glück und Freude spontan Erblühtes. Ein Lyrisches großen Stils, ohne Zwang und Willen in Tönen Aufgerauschtes.« Leider ist Klatte der einzige Zeuge; keine weitere Quelle bestätigt seine Aussage.

 5

Siegfried Wagner riet Strauss zu einer sinfonischen Dichtung »Der Kaufmann von Venedig« (Strom der Töne, wie Anm. 3, S. 81 f., Brief vom 09.10.1893, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d03114), während der Cellist Hugo Becker sich eine »ägyptische Suite« wünschte; vgl. Strauss, Sie sind ja so ein göttlicher Kerl. Briefe an und von Emil Struth, Hugo Becker, Wilhelm Bopp, Oskar und Helmut Grohe, hrsg. von Günter Brosche, in: Richard Strauss-Blätter. Neue Folge 1 (1979), S. 15–36, hier S. 19 (Brief vom 14.11.1893), weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d03123).

 6

Im Juni 1892 fragte er bei Engelbert Humperdinck, ob nicht in Frankfurt/Main der »Posten eines Operndirektors, eines Kapellmeisters und Regisseurs« zu haben sei; es werde für ihn Zeit, »den Weimarer Traditionsstaub von meinen Füßen zu schütteln«. Vgl. Lieber Collega! Richard Strauss im Briefwechsel mit zeitgenössischen Komponisten und Dirigenten, Bd. 1, hrsg. von Gabriele Strauss, Berlin 1996 (= Veröffentlichungen der Richard-Strauss-Gesellschaft 14), S. 217, Brief vom 28.06.1892, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02329. In Karlsruhe sondierte Strauss Ende November 1893 persönlich die Lage (Franz Trenner: Richard Strauss. Chronik zu Leben und Werk, hrsg. von Florian Trenner, Wien 2003, S. 111) und plante sogar, dort im März 1894 Guntram uraufzuführen (Lieber Collega, S. 227 f., Brief vom 18.12.1893, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02506) – woraus allerdings nichts wurde.

 7

Seiner Schwester Johanna schrieb Strauss im November 1893 aus Weimar, wie er die Abende verbringe: »Öfters bin ich bei Fräulein Paulinchen eingeladen u. sonst blase ich eben Trübsal u. Langeweile!« (D-Mbs, Ana 330, I, Strauss, Brief vom 11.11.1893, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02493).

 8

Briefe, die von einer Eulenspiegel-Oper berichten, stammen durchweg vom Beginn des Jahres 1894. Anfang Januar geht es »langsam vorwärts«, Anfang Februar gibt es »eine ganz nette Handlung«. Vgl. Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 332. Vom weiteren Fortgang berichtet eine Notiz »aus dem Musikleben Weimars« in den Münchner Neuesten Nachrichten (19. Mai 1894, Morgenausgabe, S. 1, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45922): Strauss arbeite »an einem neuen Opernstoff, diesmal heiteren Genres, in dem er die Legende von ›Till Eulenspiegel‹ behandelt.« Arthur Seidls Hinweis, Strauss habe sich schon »unmittelbar« nach dem Abschluss von Guntram mit dem Eulenspiegel-Stoff befasst, belegen die Quellen nicht. Vgl. A. Seidl: Straußiana. Aufsätze zur Richard Strauß-Frage, Regensburg o. J. [1913], S. 51.

 9

Vgl. Kurt Wilhelm: Die geplante Volksoper »Till Eulenspiegel«, in: Richard Strauss Jahrbuch 1954, S. 102–109; leider hat Wilhelm Strauss’ Entwürfe nur zusammengefasst und nicht vollständig ediert. Ob das Stück mehr als nur einen Akt umfassen sollte – wie Max Steinitzer, Wilhelm Klatte, Arthur Seidl und Ernst Otto Nodnagel meinten –, oder ob ein Einakter geplant war, wie Wilhelm annahm (ebd., S. 107), ist ungewiss. Vgl. Max Steinitzer: Richard Strauss, Berlin u. Leipzig 1911, S. 73; Klatte: Werkstatt (wie Anm. 4), S. 638; Seidl: Straußiana (wie Anm. 8), S. 51; Ernst Otto Nodnagel: Jenseits von Wagner und Liszt. Profile und Perspektiven, Opus 35, Königsberg 1902, S. 83. Die inhaltlichen Stichworte, die Klatte von dem Entwurf gab, stimmen nicht in allen Details mit denen bei Wilhelm überein.

 10

Im zweiten von Strauss’ Garmischer Skizzenbüchern findet sich auf den Blättern 19v und 20r zwischen den letzten Skizzen zu Guntram und den ersten zu den Liedern op. 27 eine »Eulenspiegel« überschriebene Skizze von zwölf Takten. Vgl. Franz Trenner: Die Skizzenbücher von Richard Strauss aus dem Richard-Strauss-Archiv in Garmisch, Tutzing 1977 (= Veröffentlichungen der Richard-Strauss-Gesellschaft München 1), S. 3; auch Bernd Edelmann: Strauss und Wagner, in: Richard Strauss Handbuch, hrsg. von Walter Werbeck, Stuttgart 2014, S. 66–83, hier S. 75. Notiert wurde die Skizze wohl vor Mitte Mai 1894, was zur in Anm. 8 genannten Pressemeldung passt und ihre Zuordnung zur geplanten Oper wahrscheinlich macht. Kurt Wilhelms Ansicht (Volksoper, wie Anm. 9, S. 108), es seien »keine Skizzen zur Eulenspiegeloper erhalten« und es habe »vermutlich auch noch gar keine gegeben«, trifft wohl nicht zu.

 11

Vgl. Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 247 f.; Hans-Jörg Nieden: Richard Strauss. Till Eulenspiegels lustige Streiche. Sinfonische Dichtung op. 28, München 1991 (= Meisterwerke der Musik 57), S. 7.

 12

Vgl. Ernst Krause: Richard Strauss. Gestalt und Werk, Leipzig 41970, S. 242; Norman Del Mar: Richard Strauss. A Critical Commentary on His Life and Works, Bd. 1, Ithaka (NY) 1986, S. 122; Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 204; Nieden: Eulenspiegel (wie Anm. 11), S. 5.

 13

Vgl. Nieden, ebd.

 14

Vgl. Cosima Wagner – Richard Strauss. Ein Briefwechsel, hrsg. von Franz Trenner, Tutzing 1978 (= Veröffentlichungen der Richard-Strauss-Gesellschaft München 2), S. 91, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d03055.

 15

Vgl. Wilhelm Klatte: Till Eulenspiegels lustige Streiche […], in: Allgemeine Musik-Zeitung 22 (1895), S. 578–580, hier S. 578, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b46027.

 16

James Hepokoski: Framing Till Eulenspiegel, in: 19th-Century Music 30 (2006), S. 4–43, hier S. 17–19; Charles Youmans: Richard Strauss’s Orchestral Music and the German Intellectual Tradition. The Philosophical Roots of Musical Modernism, Bloomington u. Indianapolis 2005, Kap. 3; Mathias Hansen: Richard Strauss. Die Sinfonischen Dichtungen, Kassel etc. 2003, S. 100 f.

 17

Seidl: Straußiana (wie Anm. 8), S. 51.

 18

Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 332.

 19

Ebd., S. 401.

 20

Ebd., S. 370.

 21

Die Münchner Erstaufführung kam erst am 16. November 1895 zustande und war ebenfalls ein Misserfolg.

 22

Richard Strauss. Späte Aufzeichnungen, hrsg. von Marion Beyer, Jürgen May und Walter Werbeck, Mainz u. a. 2016 (= Veröffentlichungen der Richard-Strauss-Gesellschaft 21), S. 56.

 23

Im zweiten Garmischer Skizzenbuch hat Strauss direkt neben die erwähnte Eulenspiegel-Skizze Texte aus dem dritten Aufzug von Lila niedergeschrieben. Vgl. Trenner: Skizzenbücher (wie Anm. 10), S. 3, sowie Johann Wolfgang Goethe: Poetische Werke. Gedichte und Singspiele, Bd. IV, Berlin u. Weimar 1981, S. 207 f. Zu Strauss’ Lila-Projekt vgl. insgesamt Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 416–425.

 24

Paul Geislers Symphonische Dichtung Till Eulenspiegel, 1881 erschienen, dürfte kaum eine Rolle gespielt haben; ob Strauss sie überhaupt kannte, ist ungewiss.

 25

Vgl. Strauss’ Brief vom 20. August 1895 in: Ekaterina Smyka: Neu entdeckte Briefe von Richard Strauss an Ernst von Schuch. Aus Dresdner Sammlungen, in: Richard Strauss-Jahrbuch 2012, S. 65–101, hier S. 71, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d30138. Strauss bezieht sich auf den Bayreuther Sommer (Ende Juni bis Anfang August 1894) ein Jahr zuvor; die Jahreszahl im Kommentar 3 (ebd.) muss von 1895 in 1894 korrigiert werden.

 26

Brief an Strauss vom 8. Januar 1895; vgl. Richard Strauss – Max von Schillings. Ein Briefwechsel, hrsg. von Roswitha Schlötterer, Pfaffenhofen 1987 (= Veröffentlichungen der Richard-Strauss-Gesellschaft München 9), S. 33, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d03185.

 27

Mahler schrieb Strauss am 8. Juni 1895: »Einigermaßen verwundert hat mich der Titel, da mir bekannt war, daß Sie diesen Stoff dramatisch verarbeiten wollten!« Und Seidl fragte erstaunt: »[…] magst Du mir wohl näher mitteilen, was Dich von der Oper zum Orchesterstück abgebracht hat, bzw. ob Du wohl gar nicht mehr an eine Ausführung der ersten denkst?« Vgl. Gustav Mahler – Richard Strauss. Briefwechsel 1888–1911, hrsg. von Herta Blaukopf, München und Zürich 1980, S. 48, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d03200; Strom der Töne (wie Anm. 3), S. 94, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d03204.

 28

D-GPrsa. Franz Trenners Chronik zufolge (wie Anm. 6, S. 123) ist selbst dieser Eintrag noch immer auf das Opernprojekt zu beziehen, doch dürfte Strauss zwei Wochen vor dem Abschluss der Partitur allein an der Tondichtung gearbeitet haben.

 29

Trenner: Skizzenbücher (wie Anm. 10), S. 5. Auf den weiteren Seiten notierte Pauline: »infam«, »verrückt!!«, »scheußlich«, »schlechtes Geschmier«. Warum Strauss überhaupt die erste Bemerkung seiner Frau schriftlich kommentierte und auf der ersten Skizzenseite unten links noch »Till Eulenspiegel lustige Streiche! Richard Strauss« wie eine Signatur ergänzte, ist unbekannt.

 30

Den Beginn des Stückes, direkt mit dem zentralen Klarinettenmotiv – als platze der Held mit einem Sprung in die imaginäre Szene – hat Strauss später in der Tondichtung Don Quixote aufgegriffen: derselbe Rhythmus und hier wie dort ein einstimmiges Bläsermotiv.

 31

Till Eulenspiegel ist die erste Tondichtung, deren Partitur Strauss platzsparend, d. h. mit je nach Besetzung unterschiedlich umfangreichen Akkoladen schrieb: ein Verfahren, das er zuvor erstmals überhaupt bei Guntram mit Hilfe eines zwischen Skizze und Partitur eingeschalteten Particells angewendet hatte (vgl. die Abbildung bei Schuh: Strauss, wie Anm. 1, S. 365). Für Eulenspiegel war dieses Procedere offenbar nicht nötig. Hier notierte sich Strauss direkt in die Skizze die jeweils benötigten Instrumente und mit ihnen die Anzahl an Systemen und zählte jeweils die Takte pro Akkolade. Wie ein Vergleich mit der 1. Seite der autographen Partitur zeigt, funktionierte das nicht immer reibungslos: Für die langsame Einleitung und die folgenden ersten vier Allegro-Takte benötigte Strauss beispielsweise nicht acht (wie am oberen Skizzenrand notiert), sondern neun Systeme. Die folgende Akkolade, die er noch auf der 1. Partiturseite unterbrachte, umfasst dagegen genau die 17 Systeme, die Strauss zuvor in der Skizze festgehalten hatte (oben am rechten Rand der Skizze); nur bei der Zahl der Systeme für die Fagotte (nicht 3, sondern 2) und der Hörner (nicht 2, sondern 3) hatte er sich geirrt.

 32

Vgl. den oben in Anm. 27 erwähnten Brief.

 33

Richard Strauss und Franz Wüllner im Briefwechsel, hrsg. von Dietrich Kämper, Köln 1963 (= Beiträge zur rheinischen Musikgeschichte 51), S. 25, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02606.

 34

Neue Musik-Zeitung 16 (1895), S. 143 f., hier S. 144, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45867. In der Allgemeinen Musik-Zeitung 22 (1895), S. 329 f., hieß es ohne jeden inhaltlichen Hinweis: »Rich. Strauß hat soeben seine neue Tondichtung ›Till Eulenspiegel‹ vollendet. Das Werk wird im Verlage von Jos. Aibl in München erscheinen.«

 35

Schon die Tatsache, dass Strauss die Nachricht vom Abschluss der Partitur über Fachzeitschriften lancierte, ist dafür ein untrügliches Indiz.

 36

Hans von Bülow war 1894 gestorben, von Alexander Ritter sowie Strauss’ Vater Franz sind keine Reaktionen bekannt.

 37

In einem Brief vom 9. Juni 1895 bot Strauss Spitzweg die neue Tondichtung sowie drei neue Lieder für 1.500 Mark an. Vgl. Strom der Töne (wie Anm. 3), S. 92, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02605. Bei den Liedern handelte es sich wohl um TrV 172 bzw. Op. 29. Spitzweg zahlte für Eulenspiegel 1000 Mark; vgl. Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 402.

 38

Strauss an Wüllner, 19. Juni 1895 (Briefwechsel, wie Anm. 33, S. 27, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02607): »Den Till Eulenspiegel habe ich heute in Druck gegeben (bei Aibl) […].«

 39

Strauss trug unten links »Till Eulenspiegel« (nicht »Eulenspiegels«) und eine Zeile tiefer »Richard Strauss« ein, vermutlich erst später ergänzte er von links unten nach rechts oben: »lustige Streiche!«.

 40

Vgl. oben Anm. 34.

 41

Strauss’ Brief vom »Sommer« 1895 aus Cortina d’Ampezzo (D-Mmb, A I/86, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02612). Spitzweg antwortete am 20. Juli: »Eulenspiegel Titel wird geändert« (D-GPrsa, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d30401).

 42

Vgl. Seidls Brief an Strauss vom 18. Juni 1895, in: Strom der Töne (wie Anm. 3), S. 94, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d03204.

 43

In seinem in Anm. 25 erwähnten Brief vom 20. August 1895 an Schuch teilte Strauss mit: »Die Partitur wird jetzt gerade gestochen«.

 44

Partitur und Stimmen: Friedrich Hofmeister: Musikalisch-literarischer Monatsbericht, Dezember 1895, S. 515 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek); Erich H. Müller von Asow: Richard Strauss. Werkverzeichnis, Bd. 1: Opus 1–59, Wien u. Wiesbaden 1959, S. 157. Für ein Erscheinen vor Dezember spricht auch das Datum der Widmung an Arthur Seidl, dazu s. u. Anm. 62 sowie die Abbildung im Abschnitt »Faksimiles« dieses Bandes.

 45

Vgl. Thuilles Brief an Strauss, vermutlich vom Dezember 1895: »›Eulenspiegel‹ macht viel Arbeit, habe noch nicht sehr viel machen können […].« Richard Strauss – Ludwig Thuille. Ein Briefwechsel, hrsg. von Franz Trenner, Tutzing 1980 (= Veröffentlichungen der Richard-Strauss-Gesellschaft München 4), S. 142, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d38912.

 46

Hermann Ley: Hofmeister (wie Anm. 44), Januar 1896, S. 11; Otto Singer: ebd., Juni 1896, S. 277. – Besonders erfolgreich scheint eine Klaviertranskription des französischen Pianisten Édouard Risler gewesen zu sein. Gustave Samazeuilh zufolge machte sie (vermutlich in den späten 1890er Jahren) innerhalb nur eines Jahres »son tour du monde«. Vgl. Samazeuilhs Vorwort zu: Richard Strauss et Romain Rolland. Correspondance, Fragments de Journal, Paris 1951, S. 9. Vielleicht wurde sie durch ein Konzert unter Strauss’ Leitung im Dezember 1898 in Prag angeregt, bei dem Risler als Solist auftrat und u. a. Till Eulenspiegel und Tod und Verklärung erklangen (vgl. Trenner: Chronik, wie Anm. 6, S. 175).

 47

In Spitzwegs Brief an Strauss vom 20. Juli 1895 (s. Anm. 41) heißt es: »Weingartner hat mir nun dreimal geschrieben. […] Er möchte der Erste sein, der Eulenspiegel aufführt.« Und drei Tage später erfuhr Strauss: »Jetzt war Weing. selbst bei mir […].« (D-GPrsa, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d30402).

 48

Das umfangreiche Programm (in dieser Reihenfolge): Ouvertüre zu Mozarts Zauberflöte, Rezitativ und Arie aus Händels Jephta, Violinkonzert von Beethoven, Rezitativ und Kavatine aus Gounods Faust, Till Eulenspiegel, August von Othegravens Kantate Abend auf Golgatha, zwei englische Lieder, Beethovens 8. Symphonie.

 49

Das ist umso bemerkenswerter, als Wüllner den Komponisten am 24. September 1895 ausdrücklich zur Leitung seines Stückes in Köln eingeladen hatte; vgl. Briefwechsel (wie Anm. 33), S. 28, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d03210. Strauss musste aus Termingründen absagen. Bei den ersten drei Tondichtungen wäre das kaum vorstellbar gewesen. – Einige Jahre später dirigierte Wüllner auch die Uraufführung von Don Quixote: die einzigen Premieren Strauss’scher Tondichtungen, bei denen der Komponist nicht selbst am Pult stand.

 50

Im 2. Abonnementskonzert der Musikalischen Akademie im Odeon. Auf dem Programm standen Haydns Sinfonie Nr. 95 c-Moll, Till Eulenspiegel, Beethovens 2. Symphonie und Berlioz’ Ouvertüre zu Benvenuto Cellini.

 51

Hier wurde das Stück auf dem Programmzettel nur als »Eine symphonische Dichtung« angekündigt.

 52

Vgl. Mark-Daniel Schmid: The Tone Poems of Richard Strauss and Their Reception History from 1887–1908, Ph. D. Diss. Northwestern University 1997, S. 231–235. – Theodore Thomas hatte Ende 1884 in New York schon Strauss’ 2. Symphonie uraufgeführt.

 53

Strauss’ Brief an Dupuis vom 15. Januar 1896 wird aufbewahrt in: Bibliothèque musicale La Grange-Fleuret (Paris), Signatur: Fonds Sylvain Dupuis, Correspondance générale, B 192, album autographe Richard Strauss. In französischer Übersetzung wurde er ediert von Marcel Lemaire: Lettres inédites de Richard Strauss à Sylvain Dupius, in: Revue générale; perspectives européennes des sciences humaines 8 (1970), S. 33–48, hier S. 36 f.; Edition des deutschen Originals: richard-strauss-ausgabe.de/d02654. Der Brief ist außerdem im Abschnitt »Faksimiles« dieses Bandes abgebildet.

 54

Natürlich wären hier auch noch Strauss’ Einspielungen des Stückes heranzuziehen (vgl. dazu die Übersicht bei Raymond Holden: Richard Strauss. A Musical Life, New Haven u. London 2011, S. 229 f.). Die Eulenspiegel-Aufnahme von 1929 (Berliner Staatskapelle) beispielsweise dauert 14 Minuten und 26 Sekunden, die Filmaufnahme mit den Wiener Philharmonikern von 1944 ist etwa 20 Sekunden länger.

 55

Vgl. zum Folgenden insgesamt Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 272–304.

 56

Arthur Seidl: Guntram, in: Neue Deutsche Rundschau (Freie Bühne) 5 (1894), S. 651 f., hier S. 651, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45868. Vgl. auch die Kommentare bei Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 303 f., und Youmans: Strauss (wie Anm. 16), S. 45.

 57

Hierzu Youmans: Strauss (wie Anm. 16), Teil 1 passim. Youmans brachte ebd., Kap. 4, zusätzlich Strauss’ Goethe-Rezeption ins Spiel. Zu Stirner und Mackay vgl. auch Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 261 f.

 58

Vgl. erneut Youmans: Strauss (wie Anm. 16), vor allem Kap. 2 und 3.

 59

Arthur Seidl: Vorschau – oder Rückblick? Betrachtungen über drei Textbücher (1895/96), in: ders.: Wagneriana. Kritische Aesthetik, Bd. 3, Berlin u. Leipzig 1902, S. 139–147, hier S. 147.

 60

A. Seidl: Erlösungsopern. Ein Ausblick (1901), in: Wagneriana (wie Anm. 59), S. 515–524, hier S. 521.

 61

Als Franz Wüllner die Uraufführung von Till Eulenspiegel vorbereitete, schrieb ihm Strauss am 26. September 1895: »lassen Sie’s ja nicht an Drastik fehlen.« Vgl. Briefwechsel (wie Anm. 33), S. 29, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02627. Und 1903 hieß es in einem Schreiben an Willem Mengelberg: »›Eulenspiegel‹ verträgt viel mehr Derbheit und Rauheit in den Accenten und der Art der Tongebung.« Vgl. Strom der Töne (wie Anm. 3), S. 148, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d03617. Mathias Hansen konstatierte eine »erstaunlich unverstellt hervorbrechende Aggressivität« der Musik, hinter der ein »höchst virulenter, geradezu modisch zu nennender Anarchismus« gestanden habe. Vgl. Hansen: Strauss (wie Anm. 16), S. 100.

 62

Die vollständige Widmung auf der 1. Seite der Partitur (vgl. die Abbildung im Abschnitt »Faksimiles«) lautet: »Dem lieben, getreuen Freunde | in unwandelbarer Anhänglichkeit | als Originaldedicationsulk | Richard Strauss, der Schalk. | München, 18. Oktober 1895.« Aufbewahrt wird die Partitur in der SLUB Dresden unter der Signatur 5.Mus.2.3698.

 63

Briefzitate vom Oktober 1893, abgedruckt von Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 334, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02471 und d02476.

 64

Vgl. dazu Walter Werbeck: Die Tondichtungen von Richard Strauss, Tutzing 1996 (= Dokumente und Studien zur Richard Strauss 2), S. 128–132.

 65

Vgl. oben Anm. 34.

 66

Zum Umgang mit dem Programm von Till Eulenspiegel durch Strauss und seine Exegeten vgl. Werbeck: Tondichtungen (wie Anm. 64), S. 245–253.

 67

Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 402–406. Brief von Strauss an Wüllner vom 23. Oktober 1895, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02633.

 68

Vgl. dazu Richard Specht: Richard Strauss und sein Werk, Erster Band, Der Künstler und sein Weg. Der Instrumentalkomponist, Leipzig u. a. 1921, S. 227.

 69

Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 402. Bei Klatte (wie Anm. 15), S. 578, hieß es eher allgemeiner, Strauss habe sich eingehend »mit dem alten Volksbuche« beschäftigt.

 70

Das fiel auch Romain Rolland auf: Die Musik enthalte »une suite d’épisodes dont nous n’avons pas entendu parler«. Vgl. Samazeuilh: Strauss (wie Anm. 46), S. 191.

 71

Wilhelm Mauke: Richard Strauss, Till Eulenspiegel’s lustige Streiche (op. 28), Frankfurt/Main o. J. [1896] (= Der Musikführer 103), S. 3. Arthur Seidl sah bereits den Eulenspiegel-Opernplan, dem er nachtrauerte, ganz bei Nietzsche. An Strauss schrieb er Ende Dezember 1895: »[…] wenn wir den sittlich triumphierenden, überlegenen Geist der Schildbürgerei gegenüber stellen – wie wär’s dann mit dem Nietzsche’schen ›Übermenschen‹ und dem auf dem Erdboden kriechenden Pygmäen-Geschmeiß? Diese aktuelle Idee ließe sich doch wohl daran im modernen Sinne herausholen […].« (D-GPrsa; Unterstreichung original, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d35250). Vermutlich war es auch Seidl, der 1897 in einer Rezension eines Zürcher Konzerts in Till Eulenspiegel wie zuvor schon in Don Juan »die poetische Einheit des ›Uebermenschen‹« am Werk sah, »der hier wie dort nur dem eigenen Sittengesetze gehorcht und die rücksichtslose Betonung der Persönlichkeit als Selbstzweck verfolgt.« Vgl. A. S.: Zürich 1897, in: Musikalisches Wochenblatt 29 (1897), S. 580, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b43362. James Hepokoski: Framing (wie Anm. 16) – hielt es für denkbar, dass Strauss sich von den Figuren des Seiltänzers und Possenreißers aus dem Prolog von Also sprach Zarathustra zur Figur Till Eulenspiegels und zur Marktszene anregen ließ.

 72

Youmans: Strauss (wie Anm. 16), S. 183–200. Strauss selbst hat in einem Brief an Sylvain Dupuis betont, beide Stücke seien »humoristisch«: Strauss-Dupuis (wie Anm. 53), S. 42, weitere Edition (deutsch): richard-strauss-ausgabe.de/d38412.

 73

Vgl. Urs Fässler: Wie lustig sind eigentlich »Till Eulenspiegels lustige Streiche«?, in: Schweizer musikpädagogische Blätter 84 (1996), S. 218–221, hier S. 220.

 74

Strauss’ Brief an Sporck vom 15.07.1897: Archiv der Richard-Wagner-Gedenkstätte der Stadt Bayreuth, Hs 183/A/XXVII-2, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d38913.

 75

Vgl. Hartmut Schick: »Neue Gedanken müssen sich neue Formen suchen«: Die Tondichtungen von Richard Strauss und das Reprisenproblem, in: Richard Strauss. Der Komponist und sein Werk. Überlieferung, Interpretation, Rezeption. Bericht über das internationale Symposium zum 150. Geburtstag München, 26.–28. Juni 2014, hrsg. von Sebastian Bolz, Adrian Kech, Hartmut Schick, München 2017 (= Münchner Veröffentlichungen zur Musikgeschichte 77), S. 135–165, hier S. 152 f. Neuere Analysen des Stückes findet man außer bei Schick noch bei Nieden: Strauss (wie Anm. 11), S. 23–60, Hansen: Strauss (wie Anm. 16), S. 97–116, Charles Youmans: Tondichtungen, in: Richard Strauss Handbuch, hrsg. von Walter Werbeck, Stuttgart u. a. 2014, S. 374–442, hier S. 396–403, Hepokoski: Framing (wie Anm. 16), S. 28–37.

 76

Erst nach Till Eulenspiegel – und vielleicht als Reaktion darauf – lässt sich eine neuerliche Auseinandersetzung mit dem symphonischen Rondo beobachten, etwa in den Finalsätzen von Gustav Mahlers 5. und 7. Symphonie.

 77

1897 folgte Paul Dukas’ »Scherzo symphonique« L’Apprenti sorcier (nach Goethes Ballade Der Zauberlehrling).

 78

Vgl. Wolfram Steinbeck: Ein wahres Spiel mit musikalischen Formen. Zum Scherzo Ludwig van Beethovens, in: Archiv für Musikwissenschaft 38 (1981), S. 194–226 passim.

 79

Hepokoski (Framing, wie Anm. 16, S. 32 f.) sprach von einer »extreme rondo deformation governed by the idea of interpolating the initially separate rondo ideas into each of the episodes for programmatic reasons«, änderte aber angesichts der Reprise des Hornthemas seinen analytischen Befund zu einer »sonata-rondo deformation«.

 80

Strauss griff für den Hymnus auf Rhythmus und Tempo des Pastorenthemas zurück, worin Schick (Neue Gedanken, wie Anm. 75, S. 155) ein zusätzliches Reprisenelement sah. Der auftaktige 2/4-Rhythmus und das ruhige Tempo kennzeichnen allerdings auch schon die Einleitung des Stückes (hier im 4/8-Takt), im raschen Tempo kehrt der Rhythmus im »Gassenhauer« T. 375 ff. wieder.

 81

Zur Bedeutung von Steigerungen und Ruhepunkten für die Form von Till Eulenspiegel vgl. Werbeck: Tondichtungen (wie Anm. 64), S. 343–355.

 82

Beyer u. a.: Strauss (wie Anm. 22), S. 143.

 83

Vgl. dazu Siegfried Oechsle: Beethovens eintöniger Humor. Zum Finale der Achten Symphonie, in: Musik und Humor. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung in der Musik. Wolfram Steinbeck zum 60. Geburtstag, hrsg. von Hartmut Hein u. Fabian Kolb, Laaber 2010, S. 187–198.

 84

Vgl. Hepokoski: Framing (wie Anm. 16), S. 22 f., 40–43; Matthew Bribitzer-Stull u. Robert Gauldin: Hearing Wagner in Till Eulenspiegel: Strauss’s Merry Pranks Reconsidered, in: Intégral. The Journal of Applied Musical Thought 21 (2007), S. 1–39; Youmans: Strauss (wie Anm. 16), S. 183–190; Edelmann: Strauss und Wagner (wie Anm. 10), S. 74–76. David Larkin hielt das »Pastoren-Thema« für eine mögliche Brahms-Parodie: Reshaping the Liszt-Wagner Legacy: Intertextual Dynamics in Strauss’s Tone Poems, Ph. D. Diss. University of Cambridge 2006, S. 222 f.

 85

Mathias Hansen (Strauss, wie Anm. 16, S. 108) äußerte sich eher skeptisch.

 86

Alfred Lorenz machte auf Analogien zwischen dem Beginn des Klarinettenthemas (a2f2h1) und dem »Heiaho« aus den Schmiedeliedern von Wagners Siegfried aufmerksam: ein Hinweis, der in der jüngeren Literatur nicht wieder aufgegriffen wurde. Vgl. A. Lorenz: Der formale Schwung in Richard Strauss’ »Till Eulenspiegel«, in: Die Musik 17 (1925), S. 658–669, hier S. 660, Anm. *.

 87

Richard Batka: Till Eulenspiegels lustige Streiche., in: Programmbuch Richard Strauss Woche München 1910, S. 57 f., Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45979.

 88

Gustav Schoenaich: Opern- und Concertberichte; Wien, in: Neue musikalische Presse 5 (1896), Nr. 2, 12.01.1896, S. 5, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45980.

 89

Alle Daten nach Schmid: Tone Poems (wie Anm. 52), S. 269 ff.

 90

Rudolf Fiege: Musik- und Theaterberichte, in: Neue Musikalische Presse 5 (1895), Nr. 48, S. 3 f., Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45869.

 91

J. A.: Correspondenzen, Düsseldorf, in: Neue Zeitschrift für Musik 63 (1896), Nr. 31, S. 359, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45870.

 92

A. Fr.: Konzertbericht, Wien, in: Neue Musik-Zeitung 22 (1901), H. 6, S. 73, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45871.

 93

Anon.: Die Königliche Capelle des Hofopernhauses aus Berlin in Leipzig, in: Neue Zeitschrift für Musik 63 (1896), Nr. 8, S. 85–87, hier S. 87, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45872.

 94

Differenzen zwischen Rondo und Rondeau sind, soweit ersichtlich, nirgends thematisiert worden.

 95

Frankfurter Zeitung, 08.11.1895, 2. Morgenblatt, S. 1, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45873.

 96

Wilhelm Mauke, zitiert nach Schmid: Tone Poems (wie Anm. 52), S. 275. Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b46046.

 97

Schoenaich: Wien (wie Anm. 88).

 98

Eduard Hanslick: Philharmonische Konzerte, in: Neue Freie Presse, Wien, 09.01.1896, Morgenblatt, S. 1, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45865.

 99

Carl Söhle: Dresden, März 1896, in: Mus. Wochenblatt 27 (1896), Nr. 19, S. 239, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45874.

 100

r: Musikalische Akademie, in: Münchner Neueste Nachrichten, 01.12.1895, S. 4, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45875.

 101

Otto Lessmann: Aus dem Konzertsaal, in: Allgemeine Musik-Zeitung 22 (1895), S. 624, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45876.

 102

Ebd.

 103

Richard Batka: Prag., in: Neue musikalische Rundschau 3 (1897/98), S. 31 f.: Till Eulenspiegel »ergänzt […] die Lisztsche sinfonische Dichtkunst nach der Seite der Komik«. Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45877.

 104

Münchner Konzertkritik, zitiert nach Schuh: Strauss (wie Anm. 1), S. 408.

 105

Konzertbericht Wien (wie Anm. 92).

 106

A. S.: Zürich 1897 (wie Anm. 71).

 107

Frankfurter Zeitung, 01.12.1897, 1. Morgenblatt, S. 2, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45878.

 108

Klatte war während Strauss’ Weimarer Jahre dort als Korrepetitor tätig und hat für Seidl dessen frühe Strauss-Feuilletons zu der Studie Richard Strauß – eine Charakter-Skizze von 1896 zusammengestellt. Auch an der Formulierung der programmatischen Stichworte zu Ein Heldenleben war er beteiligt.

 109

Klatte: Eulenspiegel (wie Anm. 15).

 110

Das geht aus einem Brief von Strauss an Hermann Bischoff hervor. Vgl. Ihr aufrichtig Ergebener. Richard Strauss im Briefwechsel mit zeitgenössischen Komponisten und Dirigenten, Bd. 2, hrsg. von Gabriele Strauss und Monika Reger, Berlin 1998 (= Veröffentlichungen der Richard-Strauss-Gesellschaft 15), S. 163, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02642.

 111

Zu den möglichen Gründen für Strauss vgl. Werbeck: Tondichtungen (wie Anm. 64), S. 250 f.

 112

Münchner Neueste Nachrichten, 01.12.1895, S. 4, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45875.

 113

Auf Dupuis’ Anfrage nach einem Programm schrieb Strauss am 15.01.1896: »Meine Absicht war niemals, ein Programm zu dem Werke zu geben – dann spielt das Publikum, das, um seine Unkenntnisse zu verbergen, zu verstehen glaubt, wo es eigentlich nichts versteht, unbewusst mit und der kundige Beobachter dieses Vorgangs fühlt sich selbst als eine Art Eulenspiegel. Ich bitte Sie also, nur den Titel des Werkes zu geben.« Strauss-Dupuis (wie Anm. 53), S. 37, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02654.

 114

H. St.: Kunst und Wissenschaft, in: Dresdner Nachrichten, 22.12.1895, S. 3, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45879. Carl Söhle mokierte sich in seiner Besprechung des Konzerts über Konzertbesucher, die glaubten, »beim Hören krummgebeugt, mit tastendem Zeigefinger in einem unentbehrlichen Programm ängstlich nachforschen zu müssen,« was die Musik wohl bedeute: März 1896 (wie Anm. 99), Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45874.

 115

Mauke: Eulenspiegel (wie Anm. 71). In einem Brief vom 30. November 1895 (D-GPrsa, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d30588) hatte sich Mauke von Strauss eine »authentische Benennung der Motive« von Till Eulenspiegel (außerdem noch von Don Juan und Tod und Verklärung) erbeten und Strauss hatte ihm über Hermann Bischoff die Partitur, die er schon »für Klatte mit Bemerkungen« versehen hatte, zukommen lassen. Vgl. Strauss/Reger: Ergebener (wie Anm. 110), S. 163, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d02642. Erhalten hat sich eine Partitur aus Strauss’ Besitz (wohl dessen Handexemplar; dazu unten mehr) mit programmatischen Eintragungen, die aber teilweise von denen Maukes abweichen (vgl. die Übersicht bei Werbeck: Tondichtungen, wie Anm. 64, S. 540–541. Siehe auch im Kritischen Bericht/Anhang).

 116

Dem Hamburger Kritiker Alfred Sittard, der Strauss eine eigene Analyse von Till Eulenspiegel geschickt hatte, empfahl der Komponist am 13.01.1898 die Lektüre von Maukes Musikführer: Er sei »genau nach meinen Angaben angefertigt worden«. Vgl. Henning Siedentopf: Musiker der Spätromantik. Unbekannte Briefe aus dem Nachlaß von Josef und Alfred Sittard, Tübingen 1979, S. 78, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d41905. Sittard hatte seine Analyse für die Hamburger Erstaufführung von Till Eulenspiegel im Dezember 1896 (durch die Berliner Philharmoniker unter Felix Weingartner) angefertigt. Vgl. Josef Sittard, Theater, Kunst und Wissenschaft, in: Hamburgischer Correspondent, 08.01.1898, Abend-Ausgabe, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45880; außerdem Musikalisches Wochenblatt 28, 1897, Nr. 2, S. 20, Edition: richard-strauss-ausgabe.de/b45881.

 117

Vgl. dazu Werbeck: Tondichtungen (wie Anm. 64), S. 252–280.

 118

Zu den Konsequenzen von Programmtexten für das Hören der Musik vgl. Hansjakob Ziemer: »Symphonischer Optimismus« im Konzertsaal: Zur Kulturgeschichte des Hörens um 1900, in: Musik – Bürger – Stadt. Konzertleben und musikalisches Hören im historischen Wandel. 200 Jahre Frankfurter Museums-Gesellschaft, hrsg. von Christian Thorau u. a., Regensburg 2011, S. 279–299.

 119

Brief an seinen Enkel Richard vom 3. Oktober 1944, abgedruckt in: Strom der Töne (wie Anm. 3), S. 428, weitere Edition: richard-strauss-ausgabe.de/d08042.

 120

RSQV-ID q00342. Ein Faksimile dieser Abschrift erschien 1999 im Verlag Dr. Richard Strauss, Wien.

 121

RSQV-ID q14149; es handelt sich um die oben in Anm. 115 erwähnte Partitur mit den programmatischen Bemerkungen.

 122

So die Version auf der Rückseite des Titelblatts. Auf der Rückseite des Vorsatzblattes heißt es: »Diese Partitur ist bei der zweiten Reinschrift Oktober 1944 nochmals revidiert u. bei einem Neudruck (besonders in der Gesammtausgabe meiner Werke) zu beachten.«

 123

Bekannt ist, dass Strauss in diesen Jahren eine Gesamtausgabe seiner Lieder plante, doch gingen seine Intentionen offenbar weiter. Zum Liederprojekt vgl. Andreas Pernpeintner: Einleitung, in: ders. (Hrsg.): Lieder mit Klavierbegleitung op. 10 bis op. 29, Wien u. a. 2016 (= Richard Strauss, Werke, Kritische Ausgabe, Serie II, Bd. 2), S. XIII–XXIII, hier S. XVIII f., auch die Abbildung S. XXIX.

 124

RSQV-ID q00343.

 125

Vgl. Ulrich Mosch: Marginalien zu Richard Strauss’ Metamorphosen, in: Richard Strauss Jahrbuch 2011, Tutzing 2011, S. 251–269, hier S. 264–266; Claudia Heine: Objekte von ideellem und materiellem Wert. Wege der Überlieferung von Strauss-Autografen in die USA, in: Sebastian Bolz u.a., Strauss (wie Anm. 75), S. 533–558, hier S. 540–551. Auf den Seiten 547 und 548 muss in der rechten Tabellenspalte jeweils die Angabe zu Till Eulenspiegel in »2. Abschrift 1945« geändert werden.

 126

Vgl. Richard Strauss. Autographen in München und Wien. Verzeichnis, hrsg. von Günter Brosche und Karl Dachs, Tutzing 1979 (= Veröffentlichungen der Richard-Strauss-Gesellschaft München 3), S. 39.

 127

Er fehlt, wohl versehentlich, in T. 378 f. in der 1. B-Klarinette.

 128

In der autographen Partitur von 1895 fehlt die Anweisung »ad libitum« im Notentext, in Strauss’ Auflistung der Orchesterbesetzung auf der Rückseite des Titels ist sie aber enthalten. Erst innerhalb einer zweiten Korrekturphase gelangte sie in die gedruckte Partitur.

 129

Der Vermerk findet sich in den Vorsätzen auf S. 49 und S. 55; er fehlt, wohl versehentlich, auf S. 50 und 51.

Verfasser: Walter Werbeck

Erstmals veröffentlicht in

Richard Strauss: Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 24, hrsg. von Stefan Schenk, mit einer Einleitung von Walter Werbeck, Wien: Verlag Dr. Richard Strauss 2024 (= Richard Strauss Werke. Kritische Ausgabe, III/7)

Zitierempfehlung

Walter Werbeck: Einleitung, in: Richard Strauss: Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28, hrsg. von Stefan Schenk, mit einer Einleitung von Walter Werbeck, 2024 (= Richard Strauss Werke. Kritische Ausgabe, III/7), richard‑strauss‑ausgabe.de/b46455/el (Version 2024)